Das Landgericht

Das Gebäude des Landgerichts Krefeld gehört zu den auffälligsten Gebäuden der Stadt. Seine Lage am Nordwall, einer breiten Verkehrsachse am nördlichen Ende des inneren Stadtbereichs, am Preußenring, einer der die Innenstadt umrundenden Hauptverkehrsachse, und direkt gegenüber des Stadtgartens lässt dieses große Gebäude nicht nur mächtig und imposant wirken, sondern bringt es auch in das Bewusstsein der Krefelder und der Besucher dieser Stadt. Man kommt an diesem Gebäude eigentlich immer vorbei.

Ich habe dazu mal etwas recherchiert…

Nach einer Neuordnung der Preußischen Gerichtsbarkeit und der damit verbundenen Einrichtung des Amtsgerichts Krefeld im Jahr 1879, entstand zwischen 1889 und 1892 mit dem Gebäude des Amtsgericht Krefeld an der benachbarten Steinstraße ein prächtiges Gerichtsgebäude (Architekt: Karl Friedrich Endell). Bereits zu dieser Zeit drängte die Stadt auf politischer Ebene auf die Einrichtung eines Landgerichts für Krefeld. Die Stadt, die sich wegen ihrer bedeutenden Textilindustrie selbstbewusst „Lyon am Niederrhein“ nannte, verfügte als einzige Großsstadt der preußischen Rheingebiete über kein eigenes Landgericht.

Als 1906 der Düsseldorfer Landgerichtsbezirk neu gegliedert wurde und die Landgerichte Mönchengladbach und Krefeld entstanden, begannen die Vorbereitungen für den Bau des Landgerichts. Die Vorplanung des Baus erfolgte unter der Leitung des Wirklichen Geheimen Oberbaurats Paul Thoemer und des Geheimen Baurats Rudolf Mönnich im Ministerium für öffentliche Arbeiten. Der Ausführungsplan wurde im Hochbauamt Krefeld von Baurat Reimer erarbeitet und durch Regierungsbaumeister Dr.-Ing. Felix Dechant bearbeitet. Dechant wurde später auch die künstlerische Leitung übertragen.

Am 1. August 1914, zufälliger weise der erste Tag der allgemeinen Mobilmachung im ersten Weltkrieg, erfolgte die Grundsteinlegung.  Kriegsbedingt verzögerte sich die ursprünglich für 1915 geplante Fertigstellung des Gebäudes. 1917 mussten die Arbeiten teilweise eingestellt werden und nach Kriegsende zudem die Kriegsschäden beseitigt werden. Ende 1919 konnte der östliche Teil des Gebäudes bezogen werden und die Fertigstellung des gesamten Gebäudes wird für Ende 1922 gemeldet.

Die drei Fotografien zeigen die (verhältnismäßig schmale) West- und die Südfassade des Gerichtsgebäudes. Unter der Kuppel befinden sich die großen Verhandlungssäle, der Zugang zum Gebäude erfolgt über die zwei Eingänge an der Südseite des Gebäudes, über das Gebäude des Amtsgerichts in der Steinstraße oder das Gefängnis auf der Nordseite des Baus.

Quellen:

Webseite des Landgerichts Krefeld: Landgericht Krefeld: Historie
Die Architektur deutscher Landgerichte zwischen 1900 und 1920, Dissertation, Otto Kästner, Frankfurt am Main, 2012
Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 51/52, 43. Jg., 1923, Seiten 300 – 304

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2 Kommentare

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  1. Die Fotos sehen aus, als stände das Gebäude in Italien. Kannste mal sehen, was Krefeld für schöne Gebäude hat 😉

    • Italien… 😀 Aaah, Du bringst mich auf eine Idee… Danke! 🙂
      Je nun – ganz prosaisch – diese Architektur ist typisch für represäntativ-oppressive (is ’n Eigenkreation 😉 ) Gebäude im damaligen Preußen. Und in meinen Augen auch nicht unbedingt eines der schönsten. Da hat die Stadt mehr zu bieten 😉 Aber es ist definitiv eines der prominentesten Gebäude der Stadt. Du kommst einfach an dem Ding vorbei, wenn Du im Bereich der Innenstadt unterwegs bist.

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